• Werner Röpke

Prinzessin ดารารัศมี Dara Rasmi, Stern von Chiang Mai


Wir schreiben das Jahr 1873. Im Königreich Chiang Mai, das aus dem legendären Reich Lan Na hervorgegangen ist, wird dem regierenden König Inthanon und seiner Gattin Thipkraisorn Rajadevi eine Tochter geboren, die sie Dara Rasmi ดารารัศมี „strahlender Stern“ nennen. Sie ist die zweite Tochter des Paares, das erste Kind, Prinzessin Chantra Sopha, stirbt schon in jungen Jahren.


In diesem Jahr, der junge König Chulalongkorn in Bangkok wurde anlässlich seiner Volljährigkeit gekrönt, erhielt auch ihr Vater Inthanon anlässlich seiner jährlichen Tributreise in die Hauptstadt Bangkok den Titel eines Chao Luang zugesprochen. Sein Regierungsname war nun Inthawichayanon. Eigentlich hatte er sich den Titel eines Phra Chao erhofft, aber Siam wollte dem tributpflichtigen Königreich Chiang Mai zeigen, wer der eigentliche Herrscher war. Die jährlichen Tributzahlungen erfolgten in Teakholz, einer sehr begehrten Handelsware.


Der König vergab nur die Lizenzen, das Schlagen und den Transport übernahmen Burmesisch-Britische Handelshäuser, die enorme Gewinne damit erwirtschafteten. Noch höher waren die Einkünfte für das Königshaus, für das Jahr 1851, also weit in der Vergangenheit, wurden Lizenzen im Wert von fast 150.000 Rupien vergeben, und noch einmal die gleiche Summe kam durch Bestechungsgelder zusammen. Der britische Polizeisuperintendent Thomas Lawndes wurde daher 1871 von Burma nach Chiang Mai geschickt, weil ständig Lizenzen mehrfach vergeben wurden, was zu erheblichen Streitigkeiten führte.


1871 wurde dann auch der erste Vertrag zwischen Siam und der Regierung von Britisch Indien in Calcutta geschlossen. Obwohl die Briten darauf bestanden, den König von Chiang Mai mit einzubeziehen, wiesen die Siamesen dieses Ansinnen mit dem Argument zurück, dass zu diesem Zwecke der regierende König, also Inthawichayanon, erst nach Bangkok hätte reisen müssen. Bei den damaligen Verhältnissen eine Reise von sechs Wochen mit Elefanten und Schiff - alleine für eine Strecke. Dies hätte den Vertragsabschluss erheblich verzögert.


So kam es, dass die Souveränität des Nordreiches weiter beschnitten wurde, 1874 griff Siam durch die Einsetzung eines Kha Luang (wörtlich Diener des Königs) oder Kommissars weiter in die Befugnisse des Königs ein.


Über den Teakhandel soll an anderer Stelle ausführlich berichtet werden, dieser Beitrag soll ja ausschließlich Prinzessin Dara Rasmi gewidmet sein.


Dara Rasmi, auf Thai wird es „Ratsami“ ausgesprochen, bekommt als junges Mädchen die beste Ausbildung, die möglich ist. Sie lernt neben dem nordthailändischen Dialekt Thai-Yuan auch das in Siam gesprochene Thai, dazu Englisch in Wort und Schrift. Ihre Eltern sind so vorausschauend wie König Monkut von Siam, der einige Jahre zuvor die Lehrerin Anna Leonowens an den Hof geholt hatte, um seinen zahlreichen Kindern die englische Sprache beizubringen.


Als Prinzessin lernt Dara Rasmi natürlich auch traditionelle königliche Sitten und Gebräuche, nicht nur die bei ihr Zuhause üblichen, sondern auch die vom weit entfernten Hof in Bangkok.

Englischunterricht erhält sie von Mrs. Sophia McGilvary, in der 1875 von Daniel McGilvary gegründeten Presbyterian Girls' School in Chiang Mai. Die älteste Schule in Nordthailand überhaupt. Daniel McGilvary lag die Bildung der Mädchen besonders am Herzen, bis dahin genossen nur Knaben in den Tempeln eine rudimentäre Erziehung in Lesen, Schreiben und natürlich buddhistischer Kultur. Die unter der Leitung von Rev. David Colins 1888 gegründete Knabenschule wurde später umbenannt als „Prince Royal's College“ und genießt heute einen sehr guten Ruf.


Offensichtlich war König Inthawichayanon sehr zufrieden mit der Mädchenschule, die seine Tochter ab dem Alter von sieben oder acht Jahren besuchte und gewährte ihr den ehrenvollen Namen „Phra Racha Chaya Girls School“.


Dara Rasmi lernte auch Dinge, die eine Prinzessin von Chiang Mai nicht unbedingt können musste, die ihr aber wohl großen Spaß gemacht haben. Es wird berichtet, dass ihr Lieblingssport Reiten war und sie es darin zu großer Fertigkeit gebracht hatte.


Ein kurzer Ausflug in die Weltgeschichte: Das Britische Weltreich hat seine größte Ausdehnung erreicht. Queen Viktoria ist „Empress of India“, Burma ist britisches Protektorat. Da geht in Siam das Gerücht um, dass die Queen beabsichtige, Prinzessin Dara zu adoptieren, um auf diesem Wege das ehemalige Lan Na-Reich im Norden zu annektieren. Das Königreich Chiang Mai teilt eine mehrere hundert Kilometer lange Grenze mit Burma, Bangkok dagegen ist sechs Wochen mit Boot und Elefanten entfernt. Die Grenze ist unübersichtlich und kaum zu kontrollieren, das militärische schwache Chiang Mai hätte einer britischen Okkupation nichts entgegen zu setzen. Siam wird ohnehin von mehreren Seiten bedrängt: im Osten haben die Franzosen bereits Vietnam, Laos und Cambodia unter Kontrolle, im Westen liegt British-Indien und im Süden ist die malaiische Halbinsel seit 1824 britische Kolonie.


Das Gerücht, dass Queen Victoria beabsichtigt, Dara Rasmi zu adoptieren, um sich auf diese Weise Zugriff auf den Norden zu verschaffen, kommt irgendwann zwischen 1881 und 1882 auf. Es heißt, dass britische Regierungsvertreter aus Burma König Inthawichayanon aufgesucht hätten, um über eine mögliche Adoption zu sprechen. Entspricht das der Wahrheit? Thailändische Historiker können keine Belege dafür benennen, auch in den Aufzeichnungen der Briten in Calcutta, Rangoon sowie im Nationalarchiv in London ließ sich nichts Entsprechendes finden. Womöglich hat der König selbst das Gerücht gestreut?


Thomas Lawndes berichtet über seinen Besuch 1871: Der König und der Adel haben viele Fragen gestellt über Großbritannien, die Queen und die Weltgeschichte allgemein. Sie sind offenbar sehr gut informiert.

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Eltern von Dara Rasmi mit diesem Gerücht den Wert ihrer Tochter gegenüber Siam haben erhöhen wollen. Die Tage der Unabhängigkeit ihres Reiches waren so oder so gezählt.

Die Gerüchte erreichten königliche Ohren in Bangkok. Eine strategische Heirat wäre für Rama V. die Gelegenheit, britische Einflussnahme im Norden zu verhindern. Warum nicht auf diesem Wege? Üblicherweise sandte der Adel Töchter als Geschenk zum König, als dass der König um sie werben musste, aber genau das tat er in diesem Fall. Er sandte 1882 seinen Halbbruder Phichit Prichagon auf die anstrengende und lange Reise nach Chiang Mai, damit er um die Hand von Dara Rasmi anhalten solle. Nach allen vorliegenden historischen Quellen war dies sogar das einzige Mal überhaupt, dass Chulalongkorn sich um die Hand einer Frau bewarb. Prinz Phichit verpflichtete die Eltern Dara Rasmis deswegen ausdrücklich zur Verschwiegenheit über diese Angelegenheit, um nicht Neid in Adelskreisen zu erregen.


Mae Chao Thipkraisorn, die Mutter Dara Rasmis, verstarb 1884 und ließ ihren Gatten trauernd zurück. Sie war in Behandlung beim Missionsarzt Dr. Peoples, Sophie McGilvary saß an ihrem Sterbebett und begleitete auch die Vorbereitung für die Sarglegung oder vielmehr die Vorbereitung für die im Jahre 1885 erfolgende Kremation.


Dara Rasmi lebte die nächsten zwei Jahre bei ihrer Tante Ubonwanna, eine im Lan Na Reich übliche Vorgehensweise: wenn die Mutter einer Tochter verstarb vor ihrer Volljährigkeit, nahm die Tante sie in ihr Haus auf. Dara Rasmi war jetzt 11 Jahre alt und ging weiter fleißig zu Schule bei Frau McGilvary.

1886 war es dann soweit: Im Alter von 13 Jahren begab sie sich mit ihrem Vater auf die lange Reise nach Bangkok, zunächst auf dem Ping River und dann auf dem Chao Praya bis Bangkok.


Der Hauptzweck der Reise war, die Prinzessin zu ihrem Gatten nach Bangkok zu bringen, gleichzeitig war es aber auch die jährliche Tributreise des Königs. Dann gab es noch einen dritten Grund, der Sohn Vajirunhis des Königs Chulalongkorn sollte in den Rang eines Kronprinzen erhoben werden (Bathing Ceremony)


Die Ankunft in Ayuttaya, fünfzig Kilometer stromaufwärts von Bangkok, erfolgte mit großem Zeremoniell. Das Boot der Prinzessin wurde von König Chulalongkorn persönlich empfangen, Dara Rasmi erhielt neben anderen Geschenken 100 Gewichte Silber.


Anschließend versammelte sich der gesamte Hochadel zu einem Fest im Sommerpalast von Bang Pa In. Dem Brautvater wurde hier eine seinem Rang entsprechende hohe Position zugewiesen, genau wie bei der nachfolgenden Tour durch Bangkok zur Promotion von Prinz Vajirunhit.


Inthavichayanon war der einzige Herrscher eines tributpflichtigen Reiches ประเทศราช (Prathet Sarat), der an der Zeremonie teilnehmen durfte, darüber hinaus wurde er zwei Monate später mit dem Orden "Chula Chom Klao" ausgezeichnet, auch dies die einzige Ehrung dieser Art eines Tributpflichtigen während Chulalongkorns Regierungszeit. Ein Zeichen höchster Wertschätzung also für das Königshaus von Chiang Mai.


Leben am Hofe in Bangkok

Chulalongkorn hatte insgesamt 153 Ehefrauen, von denen 35 ihm Kinder gebaren. Es gab aber nur eine königliche Regentin, das war Sri Bajarindra, mit vollem Namen Somdet Phra NangChao Saovabha Phongsri Phra


Baromma Rajini Nath Sri Bajarindra. Später wurde sie nur noch Queen Saovabha genannt, das nach ihr benannten Queen Saovabha Memorial Institut, die „Schlangenfarm“ ist jedem Touristen in Bangkok bekannt.


Von den 153 Frauen kamen außer Dara Rasmi nur noch zwei andere von tributpflichtigen Königreichen. Dara Rasmi wird als königlicher Gatting der Name Chao Chom Dara Rasmi beigelegt, wie allen königlichen Frauen, wenn sie an den Hof kommen.


Dara Rasmi kam nicht allein, denn standesgemäß brachte sie Dienerschaft und Kammerzofen mit. Sie alle behielten ihre nordthailändische Kleidung bei und auch ihre Haartracht, was sogleich zu Hänseleien als „Lao Mädchen“ seitens der anderen Frauen führte. (Anm. die Siamesen und Ausländer pflegten alle Bewohner nördlich von Nakorn Sawan "Lao" zu nennen, in Anlehnung an das alte Königreich "Lan Na".)

Nach ihrer Ankunft wurde Dara Rasmi zunächst ein Quartier im "Chakri Maha Prasat" zugewiesen, einem Komplex aus verschiedenen Gebäuden. Neben dem großen Thronsaal befanden sich dort auch Küchen, Wohnräume und vieles mehr. Das imposante Hauptgebäude aus Thai und Europäischen Elementen wurde von dem britischen Architekten John Clunis geplant und 1882 fertiggestellt. Von den ursprünglich elf Gebäuden stehen heute noch drei.


Der Maha Chakri Prasat war das Zentrum der königlichen Machtausübung und diente gleichzeitig Staatsangelegenheit als auch dem Privatleben des Königs und dem Hofstaat. Öffentlich zugänglich war die Thronhalle auf der Nordseite, privat war die Südseite.


Zu den privaten Räumlichkeiten gehörten im Besonderen der "blaue Raum" als Schlafzimmer des Königs, der "Grüne Raum" wo er in Gesellschaft seiner Frauen und Kinder die Mahlzeiten einnahm und der "Gelbe Raum" als Schnittstelle zur Außenwelt, wo allfällige Palastangelegenheiten erledigt wurden.

Der südlichste Flügel des Palastes "Racha Satya Holan" war Königin Saowapha Phongsri vorbehalten, zusammen mit ihren Kindern und königlichen Verwandten.


Am Ende des Flügels befand sich eine große Veranda und ein Garten "Suan Sawan" (himmlischer Garten) und dem gegenüber die Residenzen der hundert Nebenfrauen und deren Kinder sowie Bediensteten.

Dara Rasmi bekam bei ihrer Ankunft den wegen seiner grünen Farbe so genannten Raum "Cabbage", im Palast zugewiesen und nicht im entfernteren Quartier der anderen Konkubinen. Die Nähe zu den Privatgemächern auf dem gleichen Flur des Königs sollte die Wichtigkeit der Allianz zwischen Siam und Lan Na hervorheben, die nun durch diese Hochzeit vollzogen worden war.


Nach dem von König Mongkut erlassenen Palastgesetz durfte eine Konkubine den Palast nicht mehr auf Dauer verlassen, wenn sie dem Regenten ein Kind geboren hatte. Sah der König andere seiner 153 Ehefrauen vielleicht nur ein einziges Mal, bedeutete die physische Nähe zu Dara Rasmi nicht nur einen hohen Status für sie, sondern auch, dass so bald als möglich ein Kind gezeugt werden sollte. Viel Privatsphäre wird es dabei für beide nicht gegeben haben, nicht nur dass Königin Saowapha im angrenzenden "Blauen Raum" schlief, es war auch Sitte, dass eine ältere Frau die Pflicht hatte, neben dem königlichen Bett zu schlafen.


Es sollte allerdings noch drei Jahre dauern, bis Dara Rasmi schwanger wurde und eine Tochter gebar. Das einzige Kind mit Chulalongkorn. In diesen drei Jahren diente sie mit ihren beiden Kammerzofen Bua Rawaan und Khai Gaew als Hofdame bei Königin Saowapha.


Sobald eine Ehefrau ein Kind geboren hatte, stieg sie nicht nur im Rang auf zu einer "Chao Chom Manda", sondern bekam auch das Recht auf ein eigenes Haus auf dem Gelände des Palastes.

Frauen ohne Kinder lebten gemeinsam mit ihren Bediensteten, viele von Ihnen hatte der König nur "angenommen", damit ihre Familien keinen Gesichtsverlust erleiden müssten, hätte er sie abgelehnt. Diese Frauen wurden "Damen des gelben Raumes" genannt, weil sie den König nur bei Audienzen zu Gesicht bekamen in eben diesem Raum, der Angelegenheiten innerhalb des Palastes diente. Ihre Aufgabe bei Hofe war einfach nur die "Entourage" zu stellen für die königlichen Frauen mit höherem Status.


Als Dara Rasmi schwanger wurde, wies ihr König Chulalongkorn ein Grundstück gegenüber der Südveranda zu. Mit großzügigen Mitteln ihres Vaters, dem natürlich ein für Chiang Mai repräsentatives Gebäude am Herzen lag, ließ sie eine dreistöckige Villa im gerade aktuellen Italienisch-Thai Stil erbauen, ganz aus Ziegelsteinen und nicht aus Holz, wie nach siamesischer Weise üblich.

Das Haus füllte fast das ganze zugewiesene Grundstück aus und diente nicht nur Wohnzwecken. Neben ihren Privaträumen und solchen für die Dienerschaft gab es offizielle Räume für Besuche, für Gäste aus Chiang Mai, namentlich für ihren Halbbruder und seine Gefolgschaft. Unter den Frauen am Hofe war Dara Rasmi die einzige, mit Billigung des Königs natürlich, die solche Empfangsräume vorhielt.

Verwandtenbesuch war allen Frauen gestattet, sofern es sich dabei um Männer handelte, aber nur in Begleitung einer Hofbeamtin "Klone". Wie das im Falle ihres Halbbruders gehandhabt wurde, ist nicht genau überliefert, denn dieser war ja in Personalunion Abgesandter des (noch) tributpflichtigen Chiang Mai als auch Familienmitglied.


In ihrem Buch "Romance of a Harem" von 1872 erwähnt Anna Leonowens, die Englischlehrerin von den Kindern König Mongkuts, eine Besonderheit der Freizeitgestaltung der Damen und Kinder am Hofe: Sie badeten gerne! Völlig undenkbar im spätviktorianischen Britannien, so dass sie es als bemerkenswert erwähnt.



Südlich des "Tao teng" Reihenhauses gab es einen Pool mit Namen "Lady Orathai's Pond", der bei den tagsüber herrschenden Temperaturen Erfrischung bot. Dass die Damen gerne badeten bedeutet nicht, dass sie auch schwimmen konnten. Damit verbunden ist eine traurige Geschichte, nämlich der Tod von Chulalongkorns Gemahlin und Tochter.


Sunandha Kumariratana ertrank im Alter von 19 Jahren zusammen mit ihrer einjährigen Tochter กรรณาภรณ์เพชรรัตน์ Kannaphon Phetcharat im Bang Pa-in Fluss, als das königliche Boot auf dem Weg zum Sommerpalast kenterte. Trotz der Anwesenheit vieler Höflinge wagte es niemand, sie zu retten, obwohl König Chulalongkorn das Gesetz, wonach es bei Todesstrafe verboten sei, Mitglieder der königlichen Familie zu berühren, offiziell bereits 1873 abgeschafft hatte.


In dem Gesetz hieß es sinngemäß (nach einer Übersetzung von Quaritch-Wales)


„Wenn ein Boot kentert, müssen die Bootsführer wegschwimmen; ob Sie bleiben in der Nähe des Bootes, das sie hinrichten sollen. Wenn das Bootsgründer und die königliche Person fällt ins Wasser und ist im Begriff zu ertrinken, lassen Sie die Schiffer ausstrecken signalisiere Speer und wirf die Kokosnüsse, damit er darffassen sie, wenn er kann. Wenn er nicht kann, können sie ihn ergreifen lassender Signalspeer. Wenn sie ihn ergreifen, um ihn zu retten, sie sollen ausgeführt werden. Wer die Kokosnüsse wirft ist mit vierzig Ticals Silber und einem Gold zu belohnen Becken. Wenn der Lastkahn sinkt und jemand anderes das sieht Kokosnüsse geworfen und geht, um die königliche Person zu retten, das ist doppelt und seine ganze Familie ist auszurotten.

Wenn der Lastkahn Gründer und jemand wirft die Kokosnüsse, so dass sie zum Ufer schwimmen (d. h. von dort weg) von der königlichen Person), sein hals ist zu durchschneiden und sein beschlagnahmt.“


Das WC wurde bereits 1775 in England patentiert, in Siam war man um 1890 noch nicht ganz so weit. Sanitärinstallationen waren unbekannt, aber eine Wasserleitung zur Versorgung der Brunnen lief vom Tempel des Smaragdbuddha unter dem Palast entlang und diente auch als Entnahmestelle für das zum Waschen und Kochen gebrauchte Wasser. Diener zapften es dort und brachte es in Kanistern zu den einzelnen Häusern und Verbrauchsstellen. Wer von den Frauen mindestens den Status "Chao Chom" besaß, genoss zwar das Privileg eines eigenen Hauses, wie schon erwähnt, aber Toiletten gab es dort nicht. Es musste sich aber niemand nach draußen begeben, denn das zur Verfügung stehende Leibgeschirr wurde von Dienerinnen zu den öffentlichen Toiletten gebracht und entleert. Diese Einrichtung mussten auch alle Hofdamen und sonstigen niederen Ränge benutzen, es waren langgestreckte niedrige Gebäude, die als "Umong", also Tunnel bezeichnet wurden. Sie hatten gemauerte, sitzhohe Abteile längs eines langen und vermutlich düsteren Ganges, daher der Name. Da bei der Menge der Angestellten hier reger Betrieb herrschte ist anzunehmen, dass dies auch der bevorzugte Ort war, um Klatsch und Trasch auszutauschen. Die öffentlichen Toiletten wurden über eine Leitung zum Fluss hin entleert.


Für alle Bewohner innerhalb des Palastes wurden die Speisen in der königlichen Küche zubereitet. Ansonsten hatte jeder Haushalt eine eigene Küche. Die notwendigen Zutaten wurden an zahlreichen Marktständen eingekauft, die sich außen an der Palastmauer befanden. Angesichts der benötigten Mengen, die zudem individuell für jeden Haushalt waren, herrschte hier ein ständiger Strom von Dienerinnen und Hofdamen, denen der Einkauf oblag. Einkaufen war für diese auch die einzige Gelegenheit, den Palast zu verlassen, und junge Männer und Heiratsvermittler konnten hier mögliche Partnerschaften mit den zahlreichen Hofdamen in Augenschein nehmen.


Neben der Eigenversorgung dienten die Küchen auch der Herstellung von Süßigkeiten "Kanom" aller Art zum Verkauf innerhalb des Palastes, die an der Rückseite der Residenzen feilgeboten wurden. Nicht alle Konkubinen waren wohlhabend, viele wurden von Eltern auch aus finanzieller Bedrängnis dem König "zum Geschenk" gemacht, der wiederum konnte sie nicht ohne Gesichtsverlust für die Eltern ablehnen, nahm sie als Ehefrau an, ohne aber ehelichen Verkehr in Betracht zu ziehen. So wuchs die Anzahl der Bewohner mehr und mehr an, von denen viele überhaupt keine Beziehung zum König hatten. Dann lebten auch ältere Prinzessinnen von vorherigen Regenten noch im Palast, die wegen ihres hohen Status keinen passenden Ehemann gefunden hatten, es sei denn einen eignen Bruder. All diese lebten in vornehmer Bescheidenheit und waren zumindest versorgt.


Die Küchen waren nach westlichen Maßstäben eher bescheiden ausgestattet, die der höheren Ränge hatten aber immerhin schon Elektrizität.





Am 20. September 1884 wurde der Maha Chakri Palast in Bangkok erstmals elektrisch beleuchtet. Der Strom kam von zwei Generatoren, die für die enorme Summe von 14.400 Baht aus England beschafft worden waren. Strom in den Küchen diente nur zur Beleuchtung, elektrischen Haushaltsgeräte gab es noch nicht. Die Küchen außerhalb des Palastes hatten wie heute noch auf dem Lande mit Ameisen zu kämpfen. Kleine Schüsselchen unter den (Tisch)Beinen verhinderten, dass sich die Tiere dorthin bewegen konnten.



Es ist ein Gerücht, dass die Thais dauernd am Essen sind. Üblicherweise ist nur die eine Hälfte der Leute am Essen, die andere Hälfte redet übers Essen. Die gemeinsame Einnahme von Speisen ist eine soziale Angelegenheit in Thailand und war es natürlich auch schon in Siam. Niemand sitzt für sich alleine und futtert still vor sich hin.



Damals wie heute sitzt man noch gerne auf dem Boden, die Gerichte stehen in der Mitte und jeder bedient sich von Allem. Die Damen auf dem Foto, sie sind aus der Bunnag Familie, haben gleich den traditionellen Holzkohleofen zum Kochen dazu gestellt.


Freizeitgestaltung


Eigentlich war immer Freizeit, niemand musste einer geregelten Tätigkeit nachgehen, es sei denn, formellen Zeremonien beiwohnen. Lady Hemwadi, Tochter von Chao Mom Manda Hem, einer gleichaltrigen Freundin von Dara Rasmi, schrieb später in ihren Memoiren: Meine Mutter und "Tante Dara" spielen oft Karten im Haus, besonders in der Regenzeit.


Man spielte im Gegensatz zu anderen Gruppen innerhalb des Palastes wohl nur um minimale Einsätze, ähnlich wie beim Pfennigskat, während andere Spielerinnen sich wohl hoch verschuldeten.


Prinz Damrong Rajanupap, ein jüngerer Halbbruder von König Chulalongkorn, war verantwortlich für die Verwaltung des Geldes, das Dara Rasmi aus Chiang Mai erhielt. Es handelte sich um beträchtliche Summen, die aus dem Teakhandel stammten und die Dara Rasmin in die Lage vesetzten, einen sehr standesgemäßen Haushalt zu führen. Prinz Damrong äußerte sich lobend über ihren Umgang mit Geld, dass sie keine Spielschulden machte und auch sonst gut zu haushalten wusste.


Favorisierte Frauen des Königs genossen ein besonders Freizeitvergnügen: Picknick-Ausflüge mit dem König selbst. Chulalongkorn war der erste Regent überhaupt, der diese Art Freizeitgestaltung nach europäischer Art aufgenommen hatte. Dank der Fotografierfreudigkeit des Königs selbst und besonders der Bunnag-Geschwister sind uns viele Bilder überliefert, die sozusagen königlichen Alltag zeigen, in Freizeitkleidung und ganz in "Familie"





Drei interessante Objekte sind auf dem Bild zu sehen: Im Vordergrund eine stereoskopische Kamera, damals eine Erfindung, die großen Erfolg hatte und sehr beliebt war.

Rechts neben dem Teppich ein Holzkohleofen, wie er heute noch auf dem Lande in Benutzung ist.

Und natürlich das dreieckige Kissen, das ebenfalls unverändert bis heute in fast jedem Haushalt zu finden ist. Der Hut neben dem Kissen lässt darauf schließen, dass das Foto von König Chulalongkorn selbst aufgenommen wurde.


Man reiste in die nähere Umgebung mit Schiff oder Eisenbahn, der Bau wurde 1892 begonnen mit der Strecke nach Petchburi und Ayuttaya.


Gewickelt, nicht genäht - Mode in Siam


Man sollte meinen, der typische Thai-Wickelrock wäre schon von alters her das bevorzugte Kleidungsstück der Damen am Hofe. Das ist mitnichten so, denn Männer wie Frauen trugen am Hofe Hosen, die โจงกระเบน Chong kraben. Ein solches Kleidungsstück bestand aus einem großen Stück Stoff, einer Art Sarong, das um die Hüften gewickelt wurde. Dann wurde der vordere Teil zusammengezogen und zwischen den Beinen hindurch nach hinten geführt und dort eingesteckt. So entstand ein recht praktisches Kleidungsstück, welches dem Träger oder der Trägerin große Bewegungsfreiheit gestattete.

Als Oberbekleidung trugen die Herren meistens gar nichts und die Damen einen leichten Schal - oder auch nichts.


Das war bis zur Herrschaft König Mongkuts auch bei Audienzen am Hofe Pflicht, denn ohne Jacke hätten gerade die Männer große Probleme gehabt, Waffen unbemerkt mitzubringen. Ebenfalls verboten waren Ketten und ähnlicher Schmuck mit Steinen, denn diese hätten verhext sein können. Alle Kleidungsstücke waren, wenn man von den Säumen absieht, also nur gewickelt.


Mit der Herrschaft Mongkuts und dem intensiveren Kontakt mit Ausländern kamen dann neue Bekleidungsvorschriften auf. Der König erließ unter anderem folgende Regel:


Leute, die keine Hemden tragen, sind wie nackte Leute. Ihre Körper zeigen Hautkrankheiten oder Schweiß, das ist alles sehr schmutzig. In allen anderen Ländern, großen Ländern, trägt man Oberbekleidung, nur nicht bei den Lawa (Mon-Khmer), Lao und bei den Cha-Ba (Waldmenschen). Sie haben keine Kleidung, weil sie eine untere Klasse von Menschen sind.

Siam dagegen ist ein großes Land, wir haben viele Sitten und Gebräuche und wir folgen nicht altertümlichen Sitten. Ihr sollt alle Hemden tragen, wenn ihr in die königliche Audienzhalle kommt, jeder von euch! (Royal chronicle of the Bangkok period the fourth reign, 377-378)


Von dieser Zeit an waren alle Mitglieder des siamesischen Königshofes gehalten, auch ein Kleidungsstück für den Oberkörper zu tragen. Da erst seit König Chulalongkorn am Hofe fotografiert wurde, haben wir leider keine Bilder der Mode aus den Zeiten davor, nur Zeichnungen und Gemälde.



Mit Aufkommen der westlichen Mode etwa ab 1865 trug die feine Dame also noch die Chong Kraben, dazu Strümpfe bis zum Knie und Schuhe. Als Oberbekleidung waren vielfach verzierte Blusen mit hohem Kragen und Puffärmeln in Mode, wie sie von Prinzessin Alexandra im spätviktorianischen England getragen wurden. Der Stoff war entweder Baumwolle oder Seide, je nach Situation, wobei Seide dem Adel vorbehalten war, Dienerschaft und Angestellte durften nur Baumwolle tragen.


Der Premierminister von 1972, Kukrit Pramot, beschreibt in seiner Novelle von den สี่แผ่นดิน vier Regierungen einen weiteren Aspekt der modischen Konventionen am Hofe. Gemäß der Brahmin-Hindu Lehre regiert jeden Tag der Woche ein anderer Gott, welchem auch besondere Farben zugeordnet sind. (Kukrit Pr,amoj Four Reigns, 36ff)


Montags war der "Phanung" in einem leichten gelb mit einem blauen Band. Alternativ konnte auch ein taubenblaues "nung" getragen werden mit einem gelblich-roten Band. Dienstag war das nung zitronengrün oder pflaumenrosa mit einem gelbgrünen Band. Für ein gelbgrünes nung musste dann aber ein soft purple Band getragen werden

Mittwoch war das nung braun oder hellgrau mit einem gelben Band dazu,, Donnerstag wurde ein blattgrünes nung getragen mit einem blutroten Band.

Freitag war das nung wieder blau mit einem gelben Band und Samstag pflaumen-lila mit gelben Band.

Sonntag war wie Donnerstag , oder auch blutrot mit gelben Band.

In Zeiten der Trauer wurde ein gestreiftes purple nung getragen mit einer weißen Schärpe.


Heute sind die glückbringenden Farben folgendermaßen definiert:


Montag=gelb Dienstag=rosa Mittwoch=grün Donnerstag=orange Freitag=blau Samstag=lila Sonntag=rot


Seine Majestät König Bhumipol wurde am 5. Dezember 1927 geboren, das war ein Montag. Die königliche Farbe war also gelb, daher zog jeder, der den König ehren wollte, ein gelbes Kleidungsstück an. Rama X. Maha Vajiralongkorn wurde ebenfalls an einem Montag geboren, seine Schwester Maha Chakri Sirindhorn trägt Lila, weil an einem Samstag geboren.


Waren die Kleidungsvorschriften ursprünglich dazu da, den Status des Trägers oder der Trägerin innerhalb der höfischen Hierarchie zu dokumentieren, legte Chulalongkorn während seiner Regierungszeit großen Wert darauf, dass die höfische Kleidung auch den Status gegenüber der europäischen Gesellschaft entsprechend darstellen sollte.


Auch heute, fast 120 Jahre später, ist "ordentliche" Kleidung ein wichtiges Symbol in der thailändischen Gesellschaft. Es wird strikt unterschieden zwischen Freizeitkleidung und angemessener Kleidung zu mehr oder weniger formellen Anlässen. Mit Uniform ist man immer korrekt angezogen.


Für die Männer hat Chulalongkorn selbst ein Kleidungsstück kreiert, das "Rajapattern" Jacket. Bei seinem Besuch in Britisch-Indien 1871 beauftrage er einen Schneider in Kalkutta, ein Jacket mit Stehkragen und Knopfleiste zu fertigen, welches sein Sekretär Phon Bunnag ihm zu Ehren dann Raja pattern benannte. Zusammengesetzt aus dem Pali "raja" und dem englischen "pattern", also königliches Muster oder Modell. Als Beinkleider trug der König zunächst die Chong kraben dazu, später Hosen nach westlichem Muster.

Das Rajapattern Jacket mit Chong kraben blieb bis 1932 das "hochoffizielle" Kleidungsstück für Herren. Marschall Phibulsongkram, späterer Premiermisister, erließ in seinem Kulturdekret Nr.10 vom 15. Januar 1941 dann folgende Vorschriften:


Thais (er hatte auch kurz zuvor Siam in Thailand umbenannt) sollen nicht in unangemessener Bekleidung in der Öffentlichkeit auftreten. Unangemessen ist das Erscheinen nur in Unterwäsche, ohne Hemd oder in "Wickelhosen".


Jetzt kommen wir endlich zum Wickelrock! Den gab es schon als weibliches Kleidungsstück, aber nur im Norden, im alten Lanna Königreich. Hier hatte man das Weben als besondere Fertigkeit adliger Damen zur Kunst erhoben. Ähnlich wie in Schottland mit den Tartans hatte in Lan Na jede Familie ein besonderes Muster, das in drei Teilen gewebt wurde.


Dara Rasmi als Prinzessin aus Chiang Mai brachte also den Wickelrock an den siamesischen Hof und trug ihn dort ausschließlich, ebenso wie ihre Gefolgschaft.


In Siam war für die Damen kurzer Haarschnitt angesagt, nicht so eine altmodische und pflegebedürftige lange Haartracht. Wie lang Dara Rasmi ihr Haar trug, sehen wir in einer Serie von Bildern aus ihrem Ankleidezimmer. Fotografie war ein beliebtes Hobby am Hofe, und ihre langen Haare machten sie zum wohl ersten Model.




Die Arbeit mit den großen Plattenkameras verlangte Geduld und Wissen, so wurde nicht einfach „abfotografiert“ wie heute, sondern kunstvoll arrangiert. Die Schwestern Bunnag waren besonders eifrig und einfallsreich. Dieses Bild wurde von Erb Bunnag aufgenommen, die Kamera ist im rechten kleinen Spiegel gut zu erkennen. Erb Bunnag und Dara Rasmi waren etwa gleichaltrig und Freundinnen.

Üblicherweise wurden die langen Haare von den Kammerzofen. zu einem „Dutt“ aufgebunden, was Dara Rasmi auf den Bildern unverwechselbar macht. Im Gegensatz zu den am Hofe üblichen chong kraben trugen die Prinzessin und ihr Gefolge weiter ihr Pa sin, den Wickelrock.



Dank ihrer vorzüglichen Bildung widmete sich Dara Rasmi der Musik und dem Theater am Hofe und brachte auch eigene Vorstellungen ein. Sie schrieb eigene Theaterstücke nach nordthailändischer Art, bis dahin völlig unbekannt in Bangkok.


Am 2. Oktober 1889 brachte sie eine Tochter zur Welt, Prinzessin Vimolnaka Nabisi, der leider nur zwei Jahre Lebenszeit vergönnt waren. Dara Rasmi war nach dem Tode ihres Kindes so verzweifelt, dass sie nicht nur alle Bilder vernichtete, die ihre Tochter zeigten, sondern auch die der Prinzessin mit dem König.



Nach der Kremation wurde die Asche in zwei Hälften geteilt, wovon die eine zu ihrer Mutter in Wat Suan Dok in Chiang Mai geschickt wurde und die andere auf den königlichen Friedhof im Wat Ratchabophit in Bangkok zur Beisetzung kam.


König Chulalongkorn war während dieser Zeit viel auf Reisen in Europa, um die Modernisierung seines Landes voranzutreiben. Nach Rückkehr von seiner zweiten Reise erhob er seine Gattin als Zeichen besonderer Zuneigung in den Stand einer Phra Racha Chaya Chao Dara Rasmi, die einzige Erhebung dieser Art, die jemals vollzogen wurde.



Während der ganzen Jahre war Dara Rasmi nie in ihre Heimat zurückgekehrt, auch nicht, als ihr Vater 1897 starb. 1908 kam ihr Halbbruder, der regierende König Intavaroros Suriyavongse von Chiang Mai, nach Bangkok, um seine Schwester und Chulalongkorn zu sehen. Bei dieser Gelegenheit bat sie um die Genehmigung, ihre Verwandten in Chiang Mai besuchen zu dürfen, was ihr auch bereitwillig gewährt wurde.


Der König war sehr um die Sicherheit seiner Frau besorgt und hatte die Reise sorgfältig vorbereiten lassen. Er selbst mit Mitgliedern der Familie und hochrangigen Beamten verabschiedete Dara Rasmi an der gerade fertiggestellten Samsen Bahnstation, von wo sie im Salonwagen bis Nakorn Sawan reiste. Sie wurde von Prinz Damrong, einem Halbbruder des Königs und damaligen Innenminister sowie Prinz Dilok begleitet.


Von Nakorn Sawan ging die Reise dann mit dem Schiff auf dem Ping Fluß weiter nach Chiang Mai, das seit 1899 ein Monthon, eine selbstständige Verwaltungseinheit Siams war. Der Name Monthon leitet sich vom Sanksrit Wort Mandala für Kreis ab.


Bei ihrer Ankunft im April 1909 wurde sie unter großer Beteiligung der Einwohner vom Gouverneur Surasi Wisitsak und der königlichen Familie empfangen.


Während ihres Aufenthaltes bei Verwandten korrespondierte sie regelmäßig in zärtlichen Briefen mit ihrem Mann, was wieder auf ein besonderes inniges Verhältnis schließen lässt, da sie formell nur den Status einer königlichen Nebenfrau hatte.


Nach einem halben Jahr trat sie den Rückweg an, um in Ang Thong, etwa 50 Kilometer vor Ayutthaya, mit 100 königlichen Barken empfangen zu werden. Sie fuhren von dort per Schiff zum Palast von Bang Pa-in, um dort die nächsten zwei Tage zu verbringen.


In Bangkok hatte der König während ihrer Abwesenheit ein neues Haus bauen lassen, welches sie aber nur noch vier Jahre bewohnen sollte. Chulalongkorn starb 1910 an einem Nierenleiden, worauf alle königlichen Nebenfrauen und Konkubinen den Palast verlassen mussten, um den Weg frei zu machen für König Vajiravuth und dessen Gefolge. Königin Saovapha zog in den Phyatai Palast, andere Frauen zu ihren Prinzensöhnen auf dem weiträumigen Palastgelände. Dara Rasmi bezog wieder ihre alte Residenz, wo sie bis 1914 lebte. Dann bat sie den neuen König Vajiravuth um Erlaubnis, endgültig heimkehren zu dürfen nach Chiang Mai. Das wurde ihr gewährt, wie schon Chulalongkorn zuvor verabschiedete Vajiravuth sie persönlich am Sam Saen Bahnhof.


Sie verließ Bangkok mit der neuen Eisenbahn, die jetzt schon bis Hue Mae Ta reichte, zwischen Pitsanulok und Lampang. Das letzte Stück legte sie vermutlich wie damals üblich auf Elefanten zurück. Wegen der enormen Schwierigkeiten beim Bau des Khun Tan Tunnels erreichte die Bahn Chiang Mai erst im Januar 1922.


Ihr Halbbruder und regierende König von Chiang Mai Chao Kaeo Nawarath hatte ihr bereits einen Residenz am Ufer des Ping Flusses bauen lassen. Frei von den Zwängen des Hofes in Bangkok und finanziell abgesichert durch ihre Familie konnte sie sich hier der Lanna Kunst und Kultur widmen. In ihrer Villa hatte sie unter anderem Räume zum Weben der traditionellen Phasin eingerichtet, wobei die besonders wertvoll dekorierten ihrer Tanztruppe als Kostüme dienten.


Chao Kaeo Nawarath trug den Titel eines Königs nur noch formell, politisch war das alte Lanna Reich schon vollständig unter der Kontrolle Siams.


Später baute Chao Kaeo Nawartah für seine Halbschwester in Mae Rim, 30 Kilometer außerhalb von Chiang Mai, eine Villa für sie und ihr Gefolge. Nach ihrer Rückkehr fand sie auch Kontakt zu ihrer ehemaligen Mädchenschule, die dann 1923 ihr zu Ehren in Dara Academy umbenannt wurde.


Der Darapirom ดาราภิรมย์ Palace ist heute ein gut geführtes Museum und gestattet einen schönen Einblick in die Lebensweise eines Mitglieds der königlichen Familie von damals. Er ist mit westlichen Möbeln aus der damaligen Zeit hübsch eingerichtet und zeugt vom guten Geschmack der Bewohnerin. Pirom ภิรมย์ bedeutet "Zufriedenheit"


Das Museum wird von der Chulalongkorn Universität unterhalten und liegt etwas versteckt hinter dem Hubschrauberflughafen der Airforce in Mae Rim. Ihr Name „strahlender Stern“ ziert als Wappen den Giebel des Hauses.

Erfreulicherweise kostet der Eintritt nur 20 Baht für Thais und Ausländer, ein vorbildlicher Prospekt in englischer Sprache ist darin enthalten.


In ihrer neuen alten Heimat beschäftigte sich sich Dara Rasmi mit Landwirtschaft und der Rosenzucht, ein kleiner Experimentiergarten Suan Chao Sabai wurde auf dem Palastgelände angelegt, ihre Lieblingsrose wurde eine große rosa Varietät, die sie zu Ehren ihres Gemahls Chulalongkorn benannte. (Er wurde an einem Dienstag geboren, dessen Farbe ist rosa. Jeder Wochentag hat eine Farbe )


Wie später König Bhumipol Adulyadej war auch Dara Rasmi das Wohlergehen der Landbevölkerung ein besonderes Anliegen. Sie wurde hierbei unterstützt von einer ihrer Kammerfrauen, Chao Thippawan. Diese heiratete Prinz Boworadet, einen Halbbruder Chulalongkorns, der damit Vizekönig von Chiang Mai wurde, später Botschafter in Paris. Während seiner Zeit in Chiang Mai erwarb er größere Ländereien, auf denen er sich später zur Ruhe setzen wollte.


Chao Thippawan trennte sich später von ihrem Gatten und zog wieder nach Chiang Mai. Sie hatte großes Interesse an der Landwirtschaft und kultivierte als erstes Virgina Tabak, womit sie ein Vermögen erwarb. Dara Rasmi kultivierte die "Farang-Melone" Cantaloupe, die zwar kleiner als die Thai-Melone ist, aber sehr viel süßer. Sie wurde dem Manager des Trocadero Hotel in Bangkok überreicht mit der Bitte, sie zu probieren. Er kaufte sogleich die ganze Lieferung für dreißig Satang das Pfund. Dank der nun durchgehenden Eisenbahn war der Transport kein Problem, in nur 24 Stunden war die Ware in Bangkok.


Die königliche Familie hatte ein besonders gutes Verhältnis zu den Missionaren in Chiang Mai und übereignete Land für Schulen, Hospitäler und Residenzen. Als Dara Rasmis Mutter 1884 starb, war sie bis dahin in Behandlung von Dr. People, und Frau McGilvary war an ihrem Sterbebett.


Nach ihrer Rückkehr aus Bangkok entwickelte sich auch zwischen Dara Rasmi und den Missionaren ein gutes und enges Verhältnis. Von 1915 bis zu ihrem Tod 1933 unterstützte sie viele Projekte, gab größere Summen für das McCormick Krankenhaus und die McKaen Leprakolonie. Als die Kolonie 1923 erweitert wurde, nutzte sie ihre guten Beziehungen zum Palast, um Prinz Damrong für die Einweihungszeremonie nach Chiang Mai zu holen. Mehr noch, als Ehefrau Königs Chulalongkorn hatte sie die Stellung einer offiziellen Repräsentantin des Hofes inne. Bei der Einweihungsfeier hielt sie eine Rede in vorzüglichem Englisch für die anwesenden ausländischen Gäste.






Phra Racha Chaya Chao Dara Rasmi verstarb am 9. Dezember 1933. Ihr Bruder Kaeo Nawarath ließ ihren Sarg bis zum 23. April 1934 im Chedi Ngarm Palace aufbahren, bis am 24. April die feierliche Kremation unter großer Anteilnahme des Volkes vollzogen wurde. Ihre Asche wurde geteilt und je zur Hälfte im königlichen Friedhof von Wat Suan Dok und Wat Rajabhpit in Bangkok beigesetzt.


Mit dem Tode ihres Bruders vier Jahre später ging das Lanna-Königreich zu Ende.


Ihre alte Mädchenschule heißt seit 1923 Dara Academy und genießt einen ausgezeichneten Ruf über die Grenzen von Chiang Mai hinaus, zur Zeit werden etwa 6.000 Jungen und Mädchen vom Kindergarten bis Klasse 12 unterrichtet. Dara Academy ist eine private christlich geführte Schule, steht aber auch Kindern anderer Religionen offen.


Presbyterian Girls' School um 1880 - Phra Racha Chaya Girls School, umbenannt in Dara Academy 1923


Dara Academy 2016


Mrs. Sophie McGilvary


Credits: Ich habe die Informationen aus verschiedenen Quellen zusammengesucht, besonderen Dank schulde ich Leslie Ann Woodhouse. Ihrer Dissertation habe ich viele Details zum Leben im Palast entnehmen können. https://lesliecastrowoodhouse.com/publications/landing


Diesen Blogbeitrag gibt es auch als Vortrag.

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