• Werner Röpke

Prinzessin ดารารัศมี Dara Rasmi, Stern von Chiang Mai

Aktualisiert: Juli 10


Wir schreiben das Jahr 1873. Im Königreich Chiang Mai, das aus dem legendären Reich Lan Na hervorgegangen ist, wird dem regierenden König Inthanon und seiner Gattin Thipkraisorn Rajadevi eine Tochter geboren, die sie Dara Rasmi ดารารัศมี „strahlender Stern“ nennen. Sie ist die zweite Tochter des Paares, das erste Kind, Prinzessin Chantra Sopha, stirbt schon in jungen Jahren.


In diesem Jahr, der junge König Chulalongkorn in Bangkok wurde anlässlich seiner Volljährigkeit gekrönt, erhielt auch ihr Vater Inthanon anlässlich seiner jährlichen Tributreise in die Hauptstadt Bangkok den Titel eines Chao Luang zugesprochen. Sein Regierungsname war nun Inthawichayanon. Eigentlich hatte er sich den Titel eines Phra Chao erhofft, aber Siam wollte dem tributpflichtigen Königreich Chiang Mai zeigen, wer der eigentliche Herrscher war. Die jährlichen Tributzahlungen erfolgten in Teakholz, einer sehr begehrten Handelsware.


Der König vergab nur die Lizenzen, das Schlagen und den Transport übernahmen Burmesisch-Britische Handelshäuser, die enorme Gewinne damit erwirtschafteten. Noch höher waren die Einkünfte für das Königshaus, für das Jahr 1851, also weit in der Vergangenheit, wurden Lizenzen im Wert von fast 150.000 Rupien vergeben, und noch einmal die gleiche Summe kam durch Bestechungsgelder zusammen. Der britische Polizeisuperintendent Thomas Lawndes wurde daher 1871 von Burma nach Chiang Mai geschickt, weil ständig Lizenzen mehrfach vergeben wurden, was zu erheblichen Streitigkeiten führte.


1871 wurde dann auch der erste Vertrag zwischen Siam und der Regierung von Britisch Indien in Calcutta geschlossen. Obwohl die Briten darauf bestanden, den König von Chiang Mai mit einzubeziehen, wiesen die Siamesen dieses Ansinnen mit dem Argument zurück, dass zu diesem Zwecke der regierende König, also Inthawichayanon, erst nach Bangkok hätte reisen müssen. Bei den damaligen Verhältnissen eine Reise von sechs Wochen mit Elefanten und Schiff - alleine für eine Strecke. Dies hätte den Vertragsabschluss erheblich verzögert.


So kam es, dass die Souveränität des Nordreiches weiter beschnitten wurde, 1874 griff Siam durch die Einsetzung eines Kha Luang (wörtlich Diener des Königs) oder Kommissars weiter in die Befugnisse des Königs ein.


Über den Teakhandel soll an anderer Stelle ausführlich berichtet werden, dieser Beitrag soll ja ausschließlich Prinzessin Dara Rasmi gewidmet sein.


Dara Rasmi, auf Thai wird es „Ratsami“ ausgesprochen, bekommt als junges Mädchen die beste Ausbildung, die möglich ist. Sie lernt neben dem nordthailändischen Dialekt Thai-Yuan auch das in Siam gesprochene Thai, dazu Englisch in Wort und Schrift. Ihre Eltern sind so vorausschauend wie König Monkut von Siam, der einige Jahre zuvor die Lehrerin Anna Leonowens an den Hof geholt hatte, um seinen zahlreichen Kindern die englische Sprache beizubringen.


Als Prinzessin lernt Dara Rasmi natürlich auch traditionelle königliche Sitten und Gebräuche, nicht nur die bei ihr Zuhause üblichen, sondern auch die vom weit entfernten Hof in Bangkok.

Englischunterricht erhält sie von Mrs. Sophia McGilvary, in der 1875 von Daniel McGilvary gegründeten Presbyterian Girls' School in Chiang Mai. Die älteste Schule in Nordthailand überhaupt. Daniel McGilvary lag die Bildung der Mädchen besonders am Herzen, bis dahin genossen nur Knaben in den Tempeln eine rudimentäre Erziehung in Lesen, Schreiben und natürlich buddhistischer Kultur. Die unter der Leitung von Rev. David Colins 1888 gegründete Knabenschule wurde später umbenannt als „Prince Royal's College“ und genießt heute einen sehr guten Ruf.


Offensichtlich war König Inthawichayanon sehr zufrieden mit der Mädchenschule, die seine Tochter ab dem Alter von sieben oder acht Jahren besuchte und gewährte ihr den ehrenvollen Namen „Phra Racha Chaya Girls School“.


Dara Rasmi lernte auch Dinge, die eine Prinzessin von Chiang Mai nicht unbedingt können musste, die ihr aber wohl großen Spaß gemacht haben. Es wird berichtet, dass ihr Lieblingssport Reiten war und sie es darin zu großer Fertigkeit gebracht hatte.


Ein kurzer Ausflug in die Weltgeschichte: Das Britische Weltreich hat seine größte Ausdehnung erreicht. Queen Viktoria ist „Empress of India“, Burma ist britisches Protektorat. Da geht in Siam das Gerücht um, dass die Queen beabsichtige, Prinzessin Dara zu adoptieren, um auf diesem Wege das ehemalige Lan Na-Reich im Norden zu annektieren. Das Königreich Chiang Mai teilt eine mehrere hundert Kilometer lange Grenze mit Burma, Bangkok dagegen ist sechs Wochen mit Boot und Elefanten entfernt. Die Grenze ist unübersichtlich und kaum zu kontrollieren, das militärische schwache Chiang Mai hätte einer britischen Okkupation nichts entgegen zu setzen. Siam wird ohnehin von mehreren Seiten bedrängt: im Osten haben die Franzosen bereits Vietnam, Laos und Cambodia unter Kontrolle, im Westen liegt British-Indien und im Süden ist die malaiische Halbinsel seit 1824 britische Kolonie.


Das Gerücht, dass Queen Victoria beabsichtigt, Dara Rasmi zu adoptieren, um sich auf diese Weise Zugriff auf den Norden zu verschaffen, kommt irgendwann zwischen 1881 und 1882 auf. Es heißt, dass britische Regierungsvertreter aus Burma König Inthawichayanon aufgesucht hätten, um über eine mögliche Adoption zu sprechen. Entspricht das der Wahrheit? Thailändische Historiker können keine Belege dafür benennen, auch in den Aufzeichnungen der Briten in Calcutta, Rangoon sowie im Nationalarchiv in London ließ sich nichts Entsprechendes finden. Womöglich hat der König selbst das Gerücht gestreut?


Thomas Lawndes berichtet über seinen Besuch 1871: Der König und der Adel haben viele Fragen gestellt über Großbritannien, die Queen und die Weltgeschichte allgemein. Sie sind offenbar sehr gut informiert.

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Eltern von Dara Rasmi mit diesem Gerücht den Wert ihrer Tochter gegenüber Siam haben erhöhen wollen. Die Tage der Unabhängigkeit ihres Reiches waren so oder so gezählt.

Die Gerüchte erreichten königliche Ohren in Bangkok. Eine strategische Heirat wäre für Rama V. die Gelegenheit, britische Einflussnahme im Norden zu verhindern. Warum nicht auf diesem Wege? Üblicherweise sandte der Adel Töchter als Geschenk zum König, als dass der König um sie werben musste, aber genau das tat er in diesem Fall. Er sandte 1882 seinen Halbbruder Phichit Prichagon auf die anstrengende und lange Reise nach Chiang Mai, damit er um die Hand von Dara Rasmi anhalten so