• Werner Röpke

Von der Kugelmünze zum Geldschein - die Geschichte des thailändischen Baht

aus Röpke reist nach Thailand

Reisebeschreibungen aus Thailand und interessante geschichtliche Beiträge


Der thailändische Baht entstand wie zum Beispiel das britische Pfund und viele andere Währungen aus einer traditionellen Masseneinheit, also Gewichtsstücken festen Wertes.

Vor dem 14. Jahrhundert waren im Gebiet des damaligen Siam, eigentlich einer Ansammlung von Nationalstaaten, Silberstücke mit festen Gewichten als Zahlungseinheit üblich. Diese waren meist als kleine Barren oder Zungen geformt, damit sie sich gut handhaben ließen. Das ließ natürlich Raum für Fälschungen, die mangels präziser Waagen kaum zu identifizieren waren. In der Sukhothai-Periode im 14. Jahrhundert begann man daher mit einer Vereinheitlichung, indem feste Mengen Silber zu einheitlichen flachen Barren gegossen und diese dann kugelförmig zusammengedrückt wurden. Das Wort für „Geld“ und „Silber“ ist heute noch das Gleiche: เงิน (Ngen.)


Kugelmünze aus der Ayuttaya Periode

Diese Kugelmünzen oder Pot Duang พดด้วง wurden entsprechend ihrem Wert mehrfach unterteilt, um für jedes Handelsgeschäft entsprechende Größen zu haben. Neben der 1-Baht Münze von 15 Gramm gab es noch 2 und 4 Baht, wichtiger waren aber vermutlich die kleinen Einheiten. Ein Baht war unterteilt in vier Salueng สลึง, ein Salueng wiederum bestand aus zwei Fuang. Bis zu dieser Größe waren die Münzen aus Silber, noch kleinere Einheiten wie Song-Pai (1/16 Baht ), Pai (1/32 Baht), der At (1/64 Baht) und der Solot (1/128 Baht) waren Kupfermünzen. Manchmal wurden auch noch kleine Kauri-Muscheln gehandelt, von denen nominal 1200 Stück auf einen Baht gingen.

Satang Münzen mit Loch in der Mitte zum auffädeln

Die Kupfermünzen hatten ein Loch in der Mitte, um sie auf eine Schnur aufzufädeln, denn dort, wo sie jeden Tag in Gebrauch waren, hatte niemand Kleidung mit Taschen. Bis 1920 war es auf dem Lande durchaus üblich für die Frauen, nur mit einem Wickelrock bekleidet zu gehen.


Marktfrauen aus Chiang Mai

Interessanterweise hat sich der Name „Salueng“ noch bis Anfang der siebziger Jahre gehalten. Als man für einen halben Baht noch etwas kaufen konnten, sagte man nicht: „das kostet fünzig Satang“,sondern: „song Salueng“, also zwei Salueng.

Neben dem Baht als Bezeichnung existierte offiziell noch der Name Tical, ein Name der sich vermutlich vom arabischen Thakal und vom noch älteren Schekel ableitet. In Burma ist der Tical heute noch eine verwendete Gewichtsbezeichnung, in Thailand stand auf den Banknoten bis 1925 „Baht“ auf Thai und „Tical“ auf Englisch.


Die Kugelmünzen waren bis um 1780 in Gebrauch und wäre es wohl noch länger gewesen, wenn nicht die Chinesen, die immer mehr den Handel kontrollierten, auch im Geld- und Goldhandel immer mehr Einfluss nahmen. So gab es Anfang des 18. Jahrhunderts auch groß angelegte Fälschungen, wobei mehrere Millionen Kugelmünzen von chinesischen Fälscherbanden aus Blei mit einer dünnen Silberschicht hergestellt wurden. Bis dieser Betrug bemerkt wurde, bestand bereits ein großer Teil der siamesischen Währungsreserven aus Blei. Einige Fälscherbanden wurden verhaftet und hingerichtet, aber der Schaden war enorm.



Mit der Öffnung Thailands zum Westen unter König Chulalongkorn wurden dann moderne Münzen eingeführt und das Dezimalsystem dafür. Man behielt die alten Bezeichnungen bei und auch die Stückelungen in Salueng und Satang, die Werte unter einem Baht wurden sogar noch mit Loch ausgeführt. Die Salueng und Satang waren aus Silber, die geringerwertigen Münzen abwechselnd aus Kupfer, Bronze und Nickel. Die kleinste Einheit war der Satang,also 1/100 Baht.


Im Jahre 1941 wurde eine Reihe von Silbermünzen in Stückelungen von 5, 10 und 20 Satang eingeführt, aufgrund eines Mangels an Nickel, der durch den Zweiten Weltkrieg verursacht wurde. Damals war Silber reichlicher vorhanden als das kriegswichtige Nickel, welches unter anderem für Messing gebraucht wurde, das zu Patronenhülsen verarbeitet wurde. 1950 wurden Satang Münzen aus Aluminium hergestellt, die waren beim Volk allerdings nicht sehr beliebt.


Heute ist die Gewichtseinheit „1 Baht“ exakt auf 15,244 Gramm festgelegt und gleichzeitig auch eine gängige Größe im Goldhandel. Für Barren aus reinem Gold gilt dieses Gewicht, Schmuck hat standardmäßig einen Gehalt von 96,5% gegenüber im Westen üblichen 75% = 18 Karat und wurde daher mit einem Baht zu 14,71046 Gramm festgelegt, entsprechend 0,4729523 Feinunzen. Eine Goldkette mit der Bezeichnung 5 Baht hat also 73,55 Gramm Gehalt an reinem Gold. Der Preis von Goldschmuck in Thailand definiert sich überwiegend aus dem Goldgewicht, der künstlerische Anteil ist eher gering.

Papiergeld


100 Baht Gedenknote

Die am 21. Mai 1889 erstmals in Bangkok ausgegebenen Banknoten der Hongkong & Shanghai Banking Corporation trugen in thailändischer Schrift die Bezeichnung Baht, auf der anderen Seite wurde die englische Bezeichnung Tical wiedergegeben. 1892 kamen dann die in Deutschland von Giesecke & Devrient gedruckten Noten in Bangkok an, auch sie zeigen auf Thai nur das Wort „Baht“, für die Ausländer und den Geldverkehr mit ihnen schrieb man zusätzlich auf Englisch „Tical“.


Die ersten „richtigen“ Banknoten der Serie eins wurden ab 19. September 1902 in Umlauf gebracht. Auch diese enthielten auf Thai ausschließlich das Wort „Baht“, daneben das englische Wort „Tical“. So blieb es bis 1925, als die zweite Serie erschien, nur mit der Bezeichnung „Baht“, und so ist es bis heute geblieben.

1942 wurde die Bank von Thailand gegründet und übernahm die Verantwortung für die Ausgabe von Papiergeld. Die größte Banknote war damals 50 Baht, die kleinste eine 1 Baht-Note .

Letztere wurde dann 1957 durch eine Münze ersetzt und die fünf Baht-Scheine wurden 1972 ersetzt, Münzen blieben aber weiter gültig.


Mit der Inthronisation Königs Bhumipol Adulyadej am 9. Juni 1946 wurden neue Banknoten herausgegeben, diesmal mit dem dem Portrait des Königs, und so sollte es bis 2016 bleiben. Die kleinste Note war wieder der 1-Baht Schein, die größte der 100-Baht Schein.


1 Baht Schein Thailand ab 1946

Die Währung im Welthandel


Bis zum 27. November 1902 wurde die thailändische Währung auf reiner Silberbasis mit 15,244 Gramm Silber an den Baht fixiert. Das führte allerdings dazu, dass der Baht aufgrund des instabilen Silberpreises gegenüber den Goldstandard-Währungen erheblich schwankte, im Handel mit anderen Nationen ein untragbares Problem. Beginnend mit 21,75 Baht, entsprechend 1 Pfund Sterling, stieg die Währung zunächst im Wert, bis im Jahr 1908 endlich eine feste Bindung an das britische Pfund Sterling vereinbart wurde. Zunächst betrug der Wechselkurs 13 Baht, wurde 1919 auf 12 Baht gesenkt und 1923 dann auf 11 Baht festgelegt.


Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Baht auf den japanischen Yen fixiert, danach auf den US-Dollar. Von 1956 bis 1973 war der Kurs auf 20,8 Baht für einen Dollar festgelegt. Mit der Wirtschaftskriese in Asien wurde eine Freigabe des Kurses notwendig und er erreichte den niedrigsten Wert mit 56 Baht für einen Dollar im Januar 1998. Danach hat sich die Wirtschaft wieder erholt, der Kurs liegt mittlerweile bei 32 Baht.


Mit der Regentschaft des Königs Maha Vajiralongkorn Rama X, Sohn des 2016 verstorbenen Königs Bhumipol Adulyadej wurden zum ersten Mal seit 1946 Münzen und Scheine mit einem neuen Bild herausgegeben. Bis dahin war auf allen Zahlungsmitteln immer König Bhumipol Rama IX. abgebildet.


Text: Werner Röpke

Bilder: Werner Röpke

Blog: Röpke reist nach Thailand


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